Das komplette DPP-Dossier (Digital Product Passport): was es ist, die vier Gesetze der Familie, wie das System funktioniert (Register + QR + URI), die Chronologie 2019–2030, die 8 europäischen Normen des CEN-CLC/JTC 24, die Pilotprojekte — und alle 893 bis heute veröffentlichten wissenschaftlichen Papers, durchsuchbar. Fakten überprüft an den Primärquellen am 2. September 2026; Methode und Quellen am Seitenende.
Definition der Europäischen Kommission: „ein digitaler Identitätsausweis für Produkte, Komponenten und Materialien“ (offizielle ESPR-Seite, EN). Keine PDF-Datei am Produkt: ein verteiltes System, beschrieben in fünf Schritten auf der offiziellen DPP-Seite.
Der DPP ist das Konformitäts- und Kreislaufwirtschaftsinstrument des Pakets: er kommt zur CE-Kennzeichnung hinzu, er ersetzt sie nicht. Elegantes Detail der Batterieverordnung: „der Batteriepass hört auf zu existieren, nachdem die Batterie recycelt wurde“ (Art. 77 Abs. 8).
Drei Verordnungen schaffen Produktpässe; die Gebäuderichtlinie schafft das Schwesterninstrument auf Ebene des Gebäudes. Alle überprüft im authentischen portugiesischen Text (Cellar des OP / EUR-Lex).
| instrument | was er schafft | schlüsseldaten | pass geregelt in |
|---|---|---|---|
| ESPR — Verordnung (EU) 2024/1781 Ökodesign für nachhaltige Produkte · hebt die Richtlinie 2009/125/EG auf | Der horizontale digitale Produktpass: ein einziges Regime für alle Produktgruppen, die künftig durch delegierte Rechtsakte abgedeckt werden. Ändert auch die Batterieverordnung. | angenommen 13.6.2024 veröffentlicht 28.6.2024 in Kraft 18.7.2024 | Art. 7–15 (Pass 9–11; Register 13; Webportal 14; Zoll 15) |
| Batterien — Verordnung (EU) 2023/1542 | Der erste Pass mit Termin: „ein elektronischer Datensatz (‚Batteriepass‘)“ für Batterien von Elektrofahrzeugen, für leichte Transportmittel (LMT) und industrielle Batterien >2 kWh. Inhalte in Anhang XIII. | angenommen 12.7.2023 Zugriffsrechtsakte bis 18.8.2026 verpflichtend 18.2.2027 | Kapitel IX, Art. 77–78 |
| Bauprodukte (neue CPR) — Verordnung (EU) 2024/3110 hebt die 305/2011 auf | Sektoraler digitaler Pass für Bauprodukte, „so weit wie möglich ausgerichtet an dem digitalen Produktpass, der durch die Verordnung (EU) 2024/1781 geschaffen wurde“ (Erwägungsgrund 92) — das Bauen läuft nicht über den ESPR, es hat ein eigenes Regime. | angenommen 27.11.2024 veröffentlicht 18.12.2024 anwendbar 8.1.2026 | Art. 75–79 |
| EPBD — Richtlinie (EU) 2024/1275 Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden | Kein Produktpass: sie schafft das „digitale Gebäudelogbuch“ — „ein gemeinsames Repository aller wichtigen Daten zu einem Gebäude“ —, in dem der Sanierungsfahrplan aufbewahrt werden soll (Art. 12 Abs. 8). Die erweiterte Familie: Produkt (DPP) ↔ Gebäude (Logbuch). | angenommen 24.4.2024 Umsetzung bis 29.5.2026 | Definition Nr. 41; Art. 12 |
Termine überprüft auf den offiziellen Seiten der Kommission (Chronologie veröffentlicht auf den ESPR- und DPP-Seiten) und in den Verordnungen selbst. Die Termine ab September 2026 sind die von der Kommission veröffentlichte indikative Roadmap („subject to publication requirements“).
| wann | was passiert | quelle |
|---|---|---|
| 11.12.2019 | Europäischer Grüner Deal — der politische Ursprung des gesamten Pakets. | Kommission, ESPR-Chronologie |
| 11.03.2020 | Neuer Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. | Kommission, ESPR-Chronologie |
| 30.03.2022 | Vorschlag für eine ESPR-Verordnung (Initiative für nachhaltige Produkte). | Kommission, ESPR-Chronologie |
| 28.07.2023 | Batterieverordnung veröffentlicht — der erste Pass mit Termin: 18.2.2027. | JO L 191 |
| 18.07.2024 | ESPR in Kraft — das DPP-Regime entsteht (Art. 9–15). | JO 28.6.2024 |
| Okt.–Nov. 2024 | Gründung des Ökodesign-Forums (erste Sitzung 19.–20.2.2025). | Kommission, ESPR-Chronologie |
| 18.12.2024 | Neue Bauproduktenverordnung veröffentlicht — der digitale Pass der Bauprodukte (Art. 75–79). | JO 18.12.2024 |
| 16.04.2025 | 1. ESPR-Arbeitsplan + Energiekennzeichnung 2025-30 — Prioritäten: Stahl, Aluminium, Textilien, Möbel, Reifen, Matratzen + 2 horizontale Rechtsakte. | COM(2025) 187 |
| 09.02.2026 | Erste Rechtsakte des ESPR: delegierter Rechtsakt + Durchführungsrechtsakt zur Vernichtung unverkaufter Waren. | Kommission, ESPR-Chronologie |
| Jul. 2026 | Rahmen für das Register geschaffen: Durchführungsrechtsakt zum Register + Durchführungsentscheidung zu 6 DPP-Normen. | Offizielle DPP-Seite |
| 19.07.2026 | Verbot der Vernichtung unverkaufter Kleidung und Schuhe tritt in Anwendung. | Green Forum, Umsetzung |
| 20.07.2026 | Das DPP-Register wird operativ — die EU-Datenbank, die die eindeutigen Kennzeichner und Registrierungsdaten jedes Passes speichert. | Offizielle DPP-Seite |
| Sep. 2026 | Durchführungsentscheidung zu den 2 verbleibenden DPP-Normen (damit stehen alle 8). | Offizielle DPP-Seite |
| 4. Quartal 2026 | Erwartet: delegierter ESPR-Rechtsakt für Eisen und Stahl + Durchführungsrechtsakt zu den Zugriffsrechten bei Batterien. | Offizielle DPP-Seite (indikativ) |
| 18.02.2027 | Erster verpflichtender DPP: Batteriepass (Elektrofahrzeug, LMT, industriell >2 kWh). | Reg. 2023/1542, Art. 77 |
| 2027–2029 | Indikative Roadmap der delegierten Rechtsakte: Textilien/Reifen/Aluminium 2027 · Möbel 2028 · Matratzen und ICT 2029 · energieverbrauchsbezogene Produkte 2026–2029. Anwendung immer ≥18 Monate später. | Offizielle DPP-Seite (indikativ) |
„Der erste Arbeitsplan wird vier Endprodukte, zwei Zwischenprodukte und zwei Gesetzgebungsakte umfassen, die horizontale Anforderungen festlegen“ — COM(2025) 187. Marktgrößen und indikativer Kalender der Einführung, wörtlich aus dem Dokument.
| produktgruppe | jrc-rang | eu-markt | einführung (indikativ) | notiz des dokuments |
|---|---|---|---|---|
| Textilien / Bekleidung | 1. | 78 Mrd. € | 2027 | Informationsanforderungen in Synergie mit der Textilkennzeichnungsverordnung (in Überarbeitung) |
| Möbel | 2. | 140 Mrd. € | 2028 | Potenzial bei der Ressourcennutzung; Materialproduktion und -versorgung als Hauptverursacher der Auswirkungen |
| Reifen | 3. | 45 Mrd. € | 2027 | Recyclierbarkeit und Rezyklatanteil; bereits geregelt durch die Reifenkennzeichnungsverordnung (EU) 2020/740 |
| Matratzen | 4. | 10 Mrd. € | 2029 | Abfälle, Verlängerung der Lebensdauer, Materialeffizienz |
| Eisen und Stahl (Zwischenprodukt) | 1. | 152 Mrd. € | 2026 | ergänzt das Label „grüner Stahl“ des Clean Industrial Deal, ETS und CBAM |
| Aluminium (Zwischenprodukt) | 4. | 40 Mrd. € | 2027 | der Einsatz von Sekundärmaterial kann die THG-Emissionen um bis zu 11× senken; eines der am besten recycelbaren Metalle |
| Horizontal: Reparierbarkeit (mit Bewertung) | — | — | 2027 | Geltungsbereich in der Vorbereitungsstudie zu präzisieren; kann Unterhaltungselektronik und kleine Haushaltsgeräte umfassen |
| Horizontal: Rezyklatanteil / Recyclierbarkeit von Elektro- und Elektronikaltgeräten | — | — | 2029 | (kritische) Rohstoffe, Klimawandel, Abfallvermeidung |
Das Bauen steht nicht auf dieser Liste — und es ist kein Versäumnis: Bauprodukte haben ihren eigenen Pass in der neuen CPR (Abschnitt 5). Die offizielle DPP-Seite nennt „Batterien, Textilien, Eisen und Stahl sowie Bauprodukte“ als die nächsten Gruppen. 19 Produkte des alten Regimes behalten ihre Übergangsfrist bis 31.12.2026 nach der alten Ökodesign-Richtlinie.
Die neue Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110, anwendbar seit 8.1.2026, schafft ein „System digitaler Produktpässe für Bauprodukte“, das bewusst an den DPP des ESPR angeglichen ist.
Erwägungsgrund 92 ist explizit: „es ist erforderlich, der Kommission die Befugnis zu übertragen, Rechtsakte zu erlassen […] um ein System für digitale Produktpässe für Bauprodukte zu schaffen, das so weit wie möglich an dem digitalen Produktpass ausgerichtet ist, der durch die Verordnung (EU) 2024/1781 geschaffen wurde“. Die Artikel 75–79 spiegeln die Architektur des ESPR wider: System (75), Pass (76), allgemeine Anforderungen (77), technische Gestaltung und Funktionsweise (78) und — die Brücke zur Praxis — eindeutige Kennzeichner und Register (79). Das heißt: Für einen Hersteller von Fensterrahmen, Paneelen oder Fertigbeton führt der Weg zum DPP nicht über den ESPR, sondern über die CPR.
Wo das BIM berührt wird. Der Pass ist die Schicht der Produktdaten; das BIM-Modell ist die Schicht der Planungsobjekte. Die natürliche Brücke zwischen beiden ist das Wörterbuch: stabile Eigenschaften, verankert in Wörterbüchern (bSDD des buildingSMART, das bereits mehrere Sprachen unterstützt), und eindeutige Produktkennzeichner — dasselbe Prinzip wie die EN 18219/18220 des generischen DPP. Wer heute BIM-Kataloge mit schlecht geführten Eigenschaften speist (übersetzte Namen, inkonsistente Einheiten), muss sie überarbeiten, sobald der Pass für Bauprodukte verpflichtend wird — weil derselbe Datenwert im Modell, im Pass und in der Leistungserklärung zirkulieren wird. [I] unsere Inferenz — die Verbindung CPR↔bSDD/IFC ist keine gesetzliche Anforderung, sondern eine Lesart der Architektur.
Laden Sie eine IFC-Datei hoch (Objekt oder BIM-Bibliothek) und erhalten Sie eine lokale Diagnose — nichts wird an irgendeinen Server geschickt: Produktkennzeichner, Hersteller, Eigenschaftsreichtum, Umweltdaten, Klassifizierung, Wörterbuchanker. 10 Kriterien, Index 0–100.
Der JTC 24 „Digital Product Passport — Framework and System“ (Sekretariat DIN) hat die erste Serie von 8 europäischen Normen unter dem Normungsauftrag M/604 der Kommission entwickelt. Sechs sind bereits im Amtsblatt der EU zitiert — und die Zitierung ist es, was die „Konformitätsvermutung“ bringt.
Die Generalprobe war EU-finanziert: CIRPASS „bereitete den Boden für die schrittweise Pilotierung und Umsetzung“ der DPPs — und endete im März 2024 mit Roadmaps für drei Wertschöpfungsketten: Elektronik, Batterien und Textilien.
Das Schwesterprojekt CIRPASS-2 setzt die Vorbereitungsarbeit für die Pilotierung fort; CIRPASS veranstaltete die Abschlussveranstaltungen gemeinsam mit den Projekten Battery Pass (das deutsche Konsortium, das den Referenzprototyp des Batteriepasses gebaut hat) und Product Information 4.0. Zur selben Zeit baute sich die staatliche Infrastruktur auf: das Ökodesign-Forum (2024), der Arbeitsplan (2025), die Normen und das Register (2026). Der DPP für jede einzelne Wertschöpfungskette kommt jetzt mit Stahl (4. Quartal 2026) und Batterien (2027).
Korpus erhoben am 2026-09-02 per Skript (OpenAlex + Crossref, Dedupe per DOI; Methode am Seitenende): alle Papers mit „product passport“, „battery passport“, „material passport“ oder „building passport“ im Titel — Produkt (DPP) 685 · Material 115 · Batterie 72 · Gebäude 21. 36 (4 %) haben Autoren mit portugiesischen Institutionen.
Wie man es liest: die grüne Linie ist der Korpus mit Pass im Titel (unser Zugehörigkeitskriterium); die rote Linie sind die Erwähnungen von „digital product passport“ in Titel oder Abstract (1.357 insgesamt) — die Papers, die das Thema behandeln, ohne es in den Titel zu nehmen. Das Muster ist in beiden dasselbe: null Erwähnung bis 2019, Start mit dem ESPR-Vorschlag (2022), Explosion nach der Annahme (2024-2026). Die Hälfte des Feldes hat in den letzten 12 Monaten publiziert. Die Jahresverteilung deckt 889 der 893 Papers ab — 4 tragen kein Jahr im Datensatz.
Suchen nach Titel/Autor/Zeitschrift, filtern nach Kategorie, Jahr, nur Open Access oder nur mit portugiesischen Autoren. Der Link öffnet den DOI (oder den Volltext, wenn offen).
| jahr | titel | autoren | zeitschrift | zit. |
|---|
Zwischen dem Grünen Deal (2019) und dem operativen Register (Juli 2026) gingen sieben Jahre in den Bau der Maschine: horizontales Gesetz, sektorales Gesetz für das Bauen, acht Normen, Forum, Arbeitsplan, zentrales Register. Die Frage, die für die zählt, die planen, herstellen oder bauen, ist nicht „wann wird er verpflichtend“ — die Termine stehen in der Tabelle oben —, sondern „halten meine Daten den Test des Passes aus?“.
Der DPP ist in der Praxis ein Datenvertrag: stabile eindeutige Kennzeichner (EN 18219), physische Datenträger (EN 18220), APIs (EN 18222), Zugriffsrechte (EN 18239), Authentifizierung (EN 18246). Nichts davon ist exotisch für alle, die ISO 19650 betreiben: es ist dieselbe Informationsdisziplin — Naming, Einheiten, Wörterbuch, Rückverfolgbarkeit —, verschoben vom Projekt aufs Produkt. Der Unterschied: Wer diesmal nicht erfüllt, verliert keine Punkte bei einem BIM-Audit, sondern den Zugang zum Binnenmarkt.
Für das Bauen liegt die entscheidende Komponente in der CPR: der Pass für Bauprodukte wird sich mit der Leistungserklärung kreuzen und mit den BIM-Objekten, die die Planer spezifizieren. Der Hersteller, dessen BIM-Katalog bereits wörterbuchverankerte Eigenschaften (bSDD) und Produktkennzeichner hat, steht zu fast null Kosten schon auf der richtigen Seite der Transaktion. Wer Datenblätter als PDF in sechs verschiedenen Sprachen hat, hat zwei Jahre Arbeit vor sich — und wer diese Arbeit machen kann, hat einen neuen Markt: genau der Produktdatenservice, nach dem die Pilotprojekte von 2027 suchen werden und nicht finden werden.