XYZ BIMKollektiv · Portugal Forschung

Forschung · Verifiziert am 2026-09-05

Digitales Gebäudelogbuch: die Richtlinie, die es verlangt, das BIM, das es bevölkern wird

Offenes Dossier über das digital building logbook — das gemeinsame Register der Daten eines Gebäudes über die Lebensdauer. Die europäische Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz definiert es, die Studie der Kommission belegt die Ökonomie, und das portugiesische BIM-Mandat von 2030 garantiert, dass die Projekte in vier Jahren digital zur Welt kommen. Zu entscheiden bleibt, wer diese Daten erhält und ihnen Leben gibt.

Umsetzungsfrist29 · 05 · 2026bereits verstrichen; die 27 Mitgliedstaaten wurden am 15-07-2026 notifiziert
Initiativen in der EU31 · 19 in BetriebFrankreich, Flandern und Estland führen
Kosten pro Logbuch1.160–1.250 €mit Nutzen über den Kosten (BCR > 1)
BIM-Mandat in Portugal01 · 01 · 2030alle Architekturprojekte, öffentliche und private
Die These in einem Satz: Der Wert des digitalen Gebäudelogbuchs liegt nicht im Dokumententresor — Tresore gibt es schon, und billige —, sondern in den Daten: strukturiertes technisches Inventar, Historie der Eingriffe und BIM-Modelle, die das Gesetz künftig verlangt. Dort kommt ein BIM-Büro ins Spiel; das Archiv ist das, was jede Plattform kann.

Was es nach europäischem Recht ist

Die Richtlinie (EU) 2024/1275 — die Neufassung der EPBD, in Kraft seit 28-05-2024 — definiert den Gegenstand und tut dies an fünf Stellen: in der Definition, im Renovierungspass, im Datenaustausch, in der nationalen Datenbank und im Energieausweis selbst.

„Digitales Gebäudelogbuch“, ein gemeinsames Register für alle einschlägigen Gebäudedaten, einschließlich Daten im Zusammenhang mit der Gesamtenergieeffizienz wie Ausweise über die Gesamtenergieeffizienz, Renovierungspässe und Intelligenzfähigkeitsindikatoren, sowie Daten im Zusammenhang mit dem Lebenszyklus-Treibhauspotenzial, die eine fundierte Entscheidungsfindung und den Informationsaustausch innerhalb des Bausektors, und zwischen Gebäudeeigentümern und -bewohnern, Finanzinstituten und öffentlichen Einrichtungen erleichtern.

Das Detail, das über das Geschäft entscheidet: Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten nicht, Logbücher einzuführen — jede Verweisung sagt „sofern verfügbar“ (where available). Die harten Pflichten sind der Renovierungspass (Regime, das bis 29-05-2026 einzuführen ist, Artikel 12) und die nationale Datenbank der Energieausweise (Artikel 22). Das Logbuch ist das optionale Teil, das sie verbindet — und der Energieausweis gibt künftig an, ja oder nein, ob das Gebäude ein Logbuch hat (Anhang V). Am 15. Juli 2026 hat die Kommission Vertragsverletzungsverfahren gegen alle 27 Mitgliedstaaten wegen unvollständiger Umsetzung eingeleitet — die nationalen Entscheidungen, die diesen Markt formen, werden gerade jetzt getroffen (Pressemitteilung).

Die Ökonomie, nach der Studie der Kommission

Im Dezember 2025 hat die Business-Case-Studie der DG GROW (Autoren BPIE) die europaweite Einführung quantifiziert. Kernergebnisse des Berichts (PDF):

ErgebnisWert
Kosten pro Logbuch (Basisfunktion, Reifegrad)≈ 1.000 € im 1. Jahr · 1.160–1.250 € stabilisiert
Kosten-NutzenNPV positiv · BCR > 1 in der Basisfunktion und in den drei Modulen
Renovierung + Zirkularität + Datenzugang≈ 12 % der Kosten → mehr als 60 % des Nutzens
Sensitivität des Modellsbestimmt durch die Kosten der Datenerhebung und -verifizierung
Wo sich Skaleneffekte zeigengroße Portfolios: öffentlicher Wohnungsbau und Verwalter vieler Gebäude
Wertmodul 3 von 4BIM ↔ Logbuch-Integration (weniger Zeit im Baugenehmigungsverfahren, Modelle, die länger leben)

Das Funktionsminimum nennt die Studie explizit: eindeutige Gebäudekennung, Verwaltungs- und Zertifikatsdaten, Renovierungsempfehlungen und, wo immer möglich, Materialinventar und Wartungsinformationen. Und den Engpass: wer die Daten erhebt und verifiziert — technische Arbeit, keine Software.

Was es in Europa schon gibt

Rund 31 aktive Initiativen, 19 bereits in Betrieb (Studie). Drei öffentliche Modelle belegen das Konzept; die privaten leben von der Datenerhebung.

ModellWas es istLektion
Frankreich — Carnet d'information du logementAuf nationaler Ebene gesetzlich verpflichtend: Pläne, Materialien, Systeme, Zertifikate, Renovierungshistorie.Das Mandat schafft den Markt von Grund auf.
Flandern — WoningpasKostenloses öffentliches Register der flämischen Regierung, von fünf Agenturen per API gespeist.Wenn der Staat die Plattform ist, lebt das Private obendrauf.
Estland — e-ehitusStaatliches E-Bau-Ökosystem: zentraler Datenhub über den Lebenszyklus.Verwaltungsintegration von Ende zu Ende.
Österreich — WienLogbuch im Baugenehmigungsverfahren selbst gefordert.Das machbare regulatorische Tor.
Deutschland/Schweden — CAPSAPrivate Plattform: Erhebung per App vor Ort, Zuordnung per KI, Dekarbonisierungs-Fahrplan.Das Private gewinnt bei der Erhebung, nicht im Archiv.

Portugal heute

Die Umsetzung schreitet in zwei Phasen voran — und das Land hat einen zweiten Motor, den niemand sonst in diesem Tempo hat: das BIM-Mandat.

Die erste Phase ist da (Decreto-Lei n.º 11/2025 (portugiesisches Dekretgesetz) — nur die Förderung fossiler Kessel); die zweite Phase — Pässe, Datenbank, Logbuch — war am 04.09.2026 noch nicht veröffentlicht: die Gesetzgebungsliste des Zertifizierungssystems enthält keinen einzigen Rechtsakt von 2026. Unterdessen kündigte die Regierung im Juni 2026 die Schaffung eines digitalen Gebäudelogbuchs (Caderno Digital do Edifício) im Rahmen des neuen Regimes für Wohnungseigentümergemeinschaften (condomínios) an (Nachricht) — verkündet am 19. Juni von der Staatssekretärin für Wohnungsbau (Secretária de Estado da Habitação) als „ein Aggregator der Lebensdauer des Gebäudes“ (Gemeinschaftsordnung, Nutzungsgenehmigung, Wartung, Erdbebenanfälligkeit, Barrierefreiheit), ohne Zeitplan. Und die Plataforma Eletrónica dos Procedimentos Urbanísticos (PEPU), in der das digitale Bautagebuch leben soll, hatte am 05-09-2026 weiterhin kein öffentliches Gesicht: Das Gesetz setzte ihr als Termin den 05-01-2026, die Branche fragte im Januar „wo bleibt sie?“, und das DL n.º 108/2026 hob die Frist schließlich auf (Analyse).

Der zweite Motor ist BIM: Artikel 17 des Decreto-Lei n.º 10/2024 bestimmt, dass ab dem 1. Januar 2030 Architekturprojekte im Regime für Urbanisierung und Bebauung — öffentliche und private — als BIM-Modell kommen. Das DL n.º 108/2026 (29. Mai) strich das Pilotprojekt 2027 und verlangt nun, dass öffentliche Bauaufträge über dem Schwellenwert des portugiesischen Vergabegesetzes (CCP) von 5.404.000 € „wo immer möglich“ als BIM-Modell erstellt werden; die Anforderungen an die Dateien bleiben einer Verordnung (portaria) überlassen. Die nationale Strategie PortugalBIM (RCM n.º 89/2026 — Entschließung des Ministerrats, PDF) setzt die Ziele: 3.000 ausgebildete Fachkräfte, 50 Gemeinden pro Jahr. Der Aktionsplan des IMPIC ist bereits überfällig — alle Details stehen im Scorecard PortugalBIM.

Warum das Logbuch und BIM dasselbe Projekt sind

Ab 2030 kommen alle Architekturprojekte parametrisch zur Welt und werden digital eingereicht. Diese Modelle müssen irgendwo über die folgenden dreißig Jahre des Gebäudes leben — und die Richtlinie sagt, wo: im Logbuch, das den Renovierungspass, die Daten der gebäudetechnischen Systeme und das Materialinventar aufnimmt. Der PDF-Tresor, der heute als „Logbuch“ verkauft wird, nimmt kein BIM-Modell auf; dafür wurde er nicht gebaut.

In vier Jahren lautet die Frage nicht mehr „hast du einen Ordner mit den Unterlagen des Hauses?“ und stattdessen „wer kümmert sich um die Information meines Gebäudes?“. Beantwortet wird sie von denen, die längst auf beiden Seiten leben: wer die Modelle macht und wer sie zu lesen versteht.

Eine gemeinsame Chronologie, 2024–2030

Zwei Gesetzgebungslinien — europäisch und portugiesisch —, die auf denselben Gegenstand zulaufen.

Europäische Richtlinie Portugal — Umsetzung BIM-Mandat Offen

Wer bauen lässt — und wo das Logbuch am meisten wert ist

Öffentliche Aufträge sind offene Daten: das Portal BASE veröffentlicht alles, Jahr für Jahr, im dados.gov.pt. Wir haben die Bauaufträge (CPV 45) von 2012 bis 2026 ausgewertet — 50.176 Aufträge — und die Karte spricht für sich:

Vergebende StelleBauaufträgeVertragswert
Águas do Norte, S.A.1.00776,1 Mio. €
Gemeinde Vila Nova de Gaia704101,9 Mio. €
DomusSocial — kommunaler Wohnungsbau in Porto58617,0 Mio. €
Gemeinde Lissabon570164,5 Mio. €
Instituto da Habitação e da Reabilitação Urbana, I.P. (Institut für Wohnen und Stadtsanierung)4832,7 Mio. €

Das ist das Porträt des Logbuch-Markts in Portugal: kommunaler öffentlicher Wohnungsbau mit hunderten kleinen, wiederkehrenden Eingriffen pro Jahr — genau das Profil der großen Portfolios, in denen die europäische Studie Skaleneffekte misst. Jeder dieser Bauaufträge ist eine Zeile in der Geschichte eines Gebäudes, die heute niemand im Zusammenhang lesen kann. Dieselbe Analyse, nach Fachrichtung und Gemeinde, steht im Quem Ganha o Que.

Was wir tun

Ein offenes Recherche-Dossier, mit allen Quellen am Ende der Seite.

1 — Rechtliche und wirtschaftliche Landkarte. Die Richtlinie vollständig gelesen (in den PT- und EN-Fassungen), die Studien der Kommission von 2021 und 2025 vollständig, und die portugiesische Chronologie Tag für Tag — von den despachos (Verfügungen) 2024 bis zur Ankündigung von Juni 2026.

2 — Literatur. 156 wissenschaftliche Arbeiten, gesammelt per API (OpenAlex), 70 % aus den letzten drei Jahren. Der Konsens der Literatur: Der Engpass ist die semantische Interoperabilität und das Befüllen der Logbücher aus verstreuten Quellen — es fehlt nicht an Software.

3 — Die Datenseite. Die Sicht „wer bauen lässt“ auf die offenen Daten des Portal BASE, und dieselbe Frage von der Seite derer, die die Aufträge gewinnen. Wenn die Verordnung zu Artikel 17 die Anforderungen festlegt, aktualisiert sich die Liste von selbst.

4 — Wöchentliche Kontrolle. Die drei ausstehenden Ankündigungen — der Aktionsplan des IMPIC, die Verordnung des Artikels 17 und die zweite Phase der Umsetzung — werden wöchentlich auf den offiziellen Seiten geprüft. Diese Seite aktualisiert sich, wenn eine davon erscheint.